THEATER und PERFORMANCElabor
​Schauspiel- und Performanceakademie/Stipendien/Kulturvermittlung


Künstlerische Leitung: Aslı Kışlal
Dramaturgie: Anna Schober
Produktionsleitung: Catrin Strasser/Hülya Çelic

„Ein Mensch betritt die Bühne." *

Wer ist dieser Mensch? Welche Geschichten erzählt er? Welche Form findet er dafür? Für wen erzählt er sie und wer hört ihm dabei zu? Ein lebendiges Theater muss sich diesem Diskurs laufend stellen und auf Veränderungen in der Realität, in der es stattfindet, reagieren. Gerade in einem häufig angstbesetzten Umfeld, in dem sich die Fronten stetig verhärten, ist ein neugieriger, flexibler und frecher Umgang mit der Diversität unserer Gesellschaft unverzichtbar. In einer Kultur, die über Migration entstanden ist, muss die Definition einer kulturellen Einheit über die Definition eines Nationalstaats scheitern. Es braucht neue Strategien, um eine Identität zu schaffen, die sich aus der Diversität ihrer Individuen stärkt anstatt diese zu fürchten. Der Begriff postmigrantisch versucht, die Realität aller Individuen, die diese Gesellschaft bilden, zu beschreiben und die Trennlinie zwischen dem WIR und dem IHR aufzuheben.
Spätestens mit den aktuellen Fluchtbewegungen hat auch die österreichische Theaterwelt begonnen, sich mit dem Thema Diversität zu befassen. In der Freien Wiener Kunstszene betreten die neu Angekommenen die Bühnen und ihre Geschichten prägen die Szene merklich. Hier zeigt sich der beinahe vergessene, integrative Charakter der Kunst. Wenn auch nicht jede/r, der/die jetzt eine Bühne betritt, KünstlerIn werden muss, so hat doch jede/r das Recht, an der Kunst dieser Stadt teilzuhaben, sei es als RezipientIn, DiskutantIn oder als Kunstschaffende/r.
In der derzeitigen Experimentierphase der Theaterszene stellt sich unser Theaterlabor dieser künstlerischen wie kulturpolitischen Debatte. diverCITYLAB pflegt einen diskursiven, sensiblen und bewussten Umgang mit den neuen KünstlerInnen und Themen und stellt dabei ständig die verwendeten theatralen Mittel in Frage.
diverCITYLAB bietet KünstlerInnen unserer postmigrantischen Gesellschaft Möglichkeiten zur Professionalisierung. In einer Synthese aus Kunstprojekt und praxisorientierter Ausbildungsstätte hat sich das diverCITYLAB zum Ziel gesetzt, die Theaterszene für alle Mitglieder unserer postmigrantischen Gesellschaft zu öffnen. diverCITYLAB entsteht aus dem Zusammenspiel aller Mitwirkenden, begleitet und berät die Studierenden und StipendiatInnen auf ihrem Weg und bietet damit autonomen KünstlerInnen ein flexibles Arbeitsumfeld, welches als Grundvoraussetzung für kreatives Arbeiten gesehen wird.

Weitere Infos unter: www.divercitylab.at bzw. > office@divercitylab.at

*Szenenanweisung von Samuel Beckett, zitiert nach einem Interview mit René Pollesch, Süddeutsche Zeitung, 04.06.2016.

Spielzeitthema

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