Julius Deutschbauer über das Nominierungsgebaren bei SUCHE DIE UNPOLITISCHSTE THEATERPRODUKTION WIENS 2012/2013

Wir meinen, dass jetzt der Augenblick wäre, die Theaterkunst mit der inneren Wirklichkeit des Politischen zu verbinden. Wir meinen weiters, dass dieser Gesichtspunkt bei vergleichbaren Preisvergaben meist vernachlässigt wird.

Wir versuchen mit unserer Preisvergabe die Kunst dazu zu bringen, dass sie ihre herrliche Bosheit nicht aushaucht. Allein die Nominierung zu diesem Preis unterstellt dem Nominierten das Politische, ist davon inspiriert, den Nominierten in den Verdacht zumindest einer politischen Absicht zu bringen. Wir sind nicht der Meinung, Kunst sei per se politisch. Nicht nominiert zu werden, bedeutet, nicht einmal des Politischen verdächtigt zu werden. Um das Unpolitische zu überbieten, muss es unterboten werden. Das Unpolitische unterbieten heißt, es auszuklammern. Es ausklammern heißt, den Großteil der Theaterproduktionen Wiens und der Bundesländer höchstens in Theaterkritiken wie „Schon wieder eine Aufführung, die ich nicht gesehen habe“ zu würdigen. „Aus Nichts schafft Gott, wir schaffen aus Ruinen!“ schreibt Christian Dietrich Grabbe in der Tragödie „Don Juan und Faust“. Politische Theaterruinen sind uns lieber als das unpolitische Nichts.