Testo Junkie

von Paul B. Preciado, VERSCHOBEN

WERK X, Fr 18. Dezember 2020, 19.30 Uhr VERSCHOBEN
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© Alexander Gotter
© Alexander Gotter

– von Paul B. Preciado
– aus dem Französischen von Stephan Geene
– Uraufführung

Inszenierung: Christine Eder
Bühne & Kostüm: Monika Rovan
Musik: Michael Eder
Autor*in: Paul B. Preciado
Dramaturgie: Kathrin Bieligk

Willkommen im Zeitalter der Pharmapornographie! Subjektivität ist Konstrukt. Sex(ualität), Gender und Körper sind nur noch hierarchisch produzierte diskursive Effekte der Pharmaindustrie zur kapitalistischen Luststeigerung. Pharmazeutisch produziertes Testosteron ist die Droge der neuen Zeit.

„Testo Junkie“ ist das philosophische Werk eines postmodernen Orlandos: Paul B. Preciado verhandelt darin den Beginn der eigenen Transition von Beatriz zu Paul durch Selbstversuche mit Testosterongel. Ein Experiment in Gender-Hacking, in dem forschendes Subjekt und Laborratte in einer Person verkörpert werden und es kein Ziel in der Art eines geschlechtlich definierten Subjektkörpers gibt, sondern die Revolte gegen das binäre Regime und seine Zwangsnormierungen im Mittelpunkt steht.

Der plötzliche Tod des schwulen Schriftstellerfreundes G.D. (Guillaume Dustan) und die sexuelle Beziehung zur Autorin und Filmregisseurin V.D. (Virginie Despentes) geben dem Experiment einen unerwarteten Verlauf. Über das eigene postpornographische Vergnügen soll auch der Tod von G.D. gerächt werden: Preciado penetriert sich, die eigenen Lacan`schen Spiegelbilder des Falscherkennens und V.D. mit Dildos in allen möglichen Größen und Formen.

Die Tagebuchprotokolle von geschlechtskonstituierenden Körperakten werden eingewoben in einen hyperventilierenden Stream-of-Consciousness-Theorieapparat, der die Klassiker des Poststrukturalismus von Jacques Derrida bis Michel Foucault auf den Kopf stellt und mit Judith Butler, Donna Haraway oder Valerie Solanas querliest und befruchtet. In „Testo Junkie“ geht Preciado so radikal mit der Epoche des frühen 21.Jahrhunderts um wie mit sich selbst, versteht die eigene Transition als Akt des (politischen) Widerstands und fügt der Analyse unserer Zeit eine performative Achse hinzu. Die Frage ist nicht mehr, wer wir sind, sondern was wir werden wollen. Vielheit ist nicht reduzierbar. Die Revolution sind wir selber, alle zusammen.

Premiere
Fr 18. Dezember 2020, 19.30 Uhr, VERSCHOBEN
Weitere Termine
Sa 19. Dezember 2020, 19.30 Uhr, VERSCHOBEN