Blutiger Sommer

von Alireza Daryanavard

Karten
Blutiger Sommer

© Amin Pourarghi

- Eine Produktion von Theaterkollektiv Hybrid in Kooperation mit WERK X-Petersplatz
- Uraufführung


- Inszenierung: Alireza Daryanavard
- Mit: Simonida Selimović, Karim Rahoma, Morteza Tavakoli
- Komposition: Pouyan Kheradmand
- Bühnenbild: Geraldine Massing
- Künstlerischer Berater: Rainer Vierlinger
- Dramaturgie: Sogol Pour-Jahan
- Produktion: Julia Haas, Rebecca Fuxen
- Regiemitarbeit: Mascha Mölkner


Blutiger Sommer thematisiert die Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Iran Ende der 80er Jahre, die seitdem tabuisiert werden. Im Jahr 2008 wurde erstmalig die angenommene Zahl von 3.700 hingerichteten Gefangenen von Menschenrechtsorganisationen veröffentlicht. Sicher ist, dass diese Menschen ohne Urteil hingerichtet wurden; die Mehrheit waren Mitglieder linksgerichteter Oppositionsgruppen. Zu den mutmaßlichen Tätern zählen einige bis heute prominente iranische Politiker. Bisher fanden keinerlei Verurteilungen der Täter statt.

Das Stück basiert textlich auf Interviews mit Zeitzeugen, welche die jahrelange Gefangenschaft und Folter überlebt haben. Grundlage der Recherche sind außerdem Sammlungen von Tagebucheinträgen, Abschiedsbriefe der Ermordeten, sowie Fotografien von Gegenständen der Gestorbenen, die jeweils in einer Militärtasche den Angehörigen zurückgegeben wurden.

„Mein Vater wurde eine Woche nach dem ich ihn das letzte Mal gesehen habe, aufgehängt. Die sagen, dass mein Vater ein Landesverräter war, genau wie meine Mutter. Ich bin mit meiner Mutter sechs Jahre lang im Gefängnis aufgewachsen. An meinen Vater habe ich einige wenige Erinnerungen, die meine Mutter mir erzählt hat. Ich kann mich kaum erinnern, wie er mit mir gespielt hat, aber meine Mutter sagt, dass ich in diesem kleinen Zimmer im Gefängnis immer hinter Ameisen hergerannt bin und die waren mein einziges Spielzeug.“

Alireza Daryanavard, geboren und aufgewachsen im Iran. Im Alter von 12 Jahren begann er als Schauspieler zu arbeiten. Darüber hinaus war Daryanavard auch als Fernseh- und Radio-Moderator tätig und trat bereits als Jugendlicher in zahlreichen Theaterstücken auf. Weiters unterrichtete er Nachwuchstalente, so war er u.a. für die Stadt Boushehr als Leiter der Jugendabteilung des Kulturamtes tätig. Er hat drei Jahre lang Schauspiel am staatlichen Schauspielkonservatorium der Stadt Boushehr studiert und nahm an einer privaten Theaterakademie in Teheran Unterricht in Method Acting.

Mit den Jahren wurde seine Theaterarbeit immer mehr zensuriert, bis es ihm schließlich offiziell untersagt wurde, als Schauspieler tätig zu sein. Alireza Daryanavard sah sich gezwungen, als Untergrundkünstler weiterzuarbeiten, bis die Situation lebensgefährlich wurde und er fliehen musste. Seine Flucht führte ihn 2014 nach Österreich, wo sein Asylantrag positiv bestätigt wurde.

Er lebt in Wien, wo er als Schauspieler und Musiker arbeitet. Seit 2015 ist er auch international in Künstler*innenkollektiven tätig. 2017 erhielt er das Österreichische Start-Stipendium des Bundeskanzleramtes für darstellende Kunst.

www.alireza-daryanavard.com 


Premiere: Do 27.02.2020, 20.00 Uhr Karten
Ort: WERK X-Petersplatz, 1010 Wien

Spielzeitthema

HEIMAT UND ARSCHLOCH